Die meisten Menschen haben Schwierigkeiten mit den Bibelstellen, die sie nicht verstehen. Ich für meinen Teil muß zugeben, daß mich gerade diejenigen Bibelstellen beunruhigen, die ich verstehe. -
Mark Twain (1835 - 1910)
Der Glaube an
ein übernatürliches Wesen, welches unsere Geschicke lenkt oder auch nicht, erscheint dem Skeptiker als banale Eigenschaft der menschlichen Natur, die aus Unverständnis geboren und aus Tradition weitergeführt wird. Aber es ist eine nicht verantwortbare Ignoranz, allen Überlieferern religiöser Texte eine blumige Phantasie, eine ausschmückende Mentalität oder eine raffgierige Habsucht zu unterstellen.
Die
Theologie untersucht die Quelltexte der verschiedenen
Religionen idealerweise frei von jedem voreingenommenen
Glauben und versucht objektive und haltbare Schlüsse zu ziehen. Entweder auf die Psyche des Menschen, tatsächliche, aber damals unerklärliche Ereignisse oder die Existenz der Götter selbst.
Theologie ist eine Textarchäologie und keine Glaubensfrage. Sie muß die richtigen Fragen stellen: Wieso waren die Menschen einst von Göttern überzeugt? Weshalb machten sie sie für Fortschritt und Katastrophen verantwortlich? Warum lesen sich göttliche Beschreibungen so überaus seltsam?
Diese Fragen lassen sich nicht einfach dadurch beantworten, daß man den Vorfahren Naivität oder gar Dummheit unterstellt.
In einer Welt, die ihr größtes Konfliktpotential neben der Ressourcenknappheit in der Religionsfrage sieht, ist eine logische und emotionsfreie Auseinandersetzung mit der Wurzel des Glaubens notwendig. Man darf nicht die Dogmen der heutigen Religionsgemeinschaften mit den Intentionen der Vergangenheit verwechseln.